Wernigerode, wir schreiben den 14.10.2006. Um ca. 12:45 Uhr erfüllt sich Tilo einen Traum. Der erste Marathon ist geschafft. Nach 3:42:12, 42km und ca. 1000hm laufe ich mit Tränen in den Augen über das Ziel und bekomme die Finisher Medalie überreicht. Ein geiles Gefühl! Das gute Ergebnis fördert meine Endorphinproduktion umso mehr, denn ich bin soeben 109. (von 629) Gesamt und 6. in meine Alterklasse geworden (M20). Ich verspüre zwar einen starke Schmerzen in den Beinen und im rechten Fuß aber das muss so sein….
Ein schöner Tag im Oktober!
Die Wochen vor dem Marathon:
Für meinen ersten Marathon hatte ich mir eigentlich ein straffes Trainingsprogramm erstellt. Leider hat durch körperliche wie auch motivationstechnische Defizite nicht alles so geklappt wie ich es wollte.
Eigentlich wollte ich durch das Marathontraining gleichzeitig mein Gewicht reduzieren, um beim Radeln die Berge besser zu erklettern… Leider hat auch das nicht geklappt, denn ich habe während des Trainings zugenommen. Da fällt mir ein netter Spruch ein: “Ich kann essen was ich will, ich nehme nicht ab” ![]()
Tipps für meinen ersten Marathon bekam ich von Eberhard Frixe (Ultraläufer). Ohne diese Tipps hätte ich sicher viele Fehler gemacht. Danke an dieser Stelle!
Der Tag vor dem Marathon:
Am Tag vor dem Marathon habe ich versucht mich auszuruhen, was leider schwer war, denn die Aufregung war sehr groß. Ich legte meine Sachen für den nächsten Tag zurecht und ging gegen 20 Uhr unter Zuhilfenahme von motivierender Musik schlafen.
Der Tag der Tage:
Am Samstag erwachte ich um ca 5 Uhr durch meine innere Uhr und mit einem stark erhöhten Ruhepuls. Ich zog mich warm an und ging an die frische Luft. In einem Buch über Marathon erfuhr ich, dass das die Verdauung anregen sollte. Bei mir trat leider kein Effekt auf, was sicher daran lag, dass ich die Hosen gestrichen voll hatte. Selbstzweifel überkamen mich… Habe ich ausreichend trainiert?! Ist es sinnvoll mit 19 solch einen Lauf, in so einer kurzen Vorbereitungszeit zu bestreiten?! Was tue ich, wenn ich es nicht schaffen sollte!? Fragen über Fragen… Der Kopf war noch nicht klar…
Nach einem Brötchen mit Honig und einem Powerriegel fuhr ich in Begleitung meiner Oma nach Wernigerode. Dort angekommen holte ich meine Startunterlagen hab. Nachdem ich mich mit Pflaster versorgt, Präventivmaßnahmen gegen bestimmte Reizungen an bestimmten Körperstellen (ja ja…) ergriffen hatte, ging es zum Start
Hier traf ich Marcel, ebenfalls Radsportler und Anhänger der Donnerstags RSV23 Rennen am Rieseberg bei Schandelah. Es war auch sein erster Marathon… Jetzt stand ich vor der Entscheidung, was soll ich anziehen?! Ich entschied mich in kurzer Hose und T-Shirt zu laufen, es waren ja immerhin über 12 Grad
Nach der Erwärmung konzentrierte ich mich auf den Start und auf mein Ziel. Startschuss, es geht los. Der Berg gegen mich, im Training hatte ich ihn schon so oft bezwungen aber nicht auf 42 Kilometern. Auf den ersten 3 Kilometern war mein Puls fast auf Maximum (>180). Lag wohl an der Aufregung. Nachdem ich mich auf dem Weg nach Ilsenburg mit Marcel unterhalten hatte, fand ich nach ca. 30 Minuten zu meinem Rythmus (der Puls ging endlich runter). Nach 9 Kilometern und der ersten Verpflegung ging es den Berg hinauf. Da es mir leichter fällt, bergauf als bergab zu laufen, machte mir das keine Probleme. Auf dem Weg sahen wir viele Wanderer, die die 25 Kilometer Wanderstrecke meisterten. Irgendwann lief ich an einem kleinen Mädchen vorbei, welches die Läufer zählte…. 70,71 und die 72 war ich, dass war sehr schön und verbesserte meine Laune ungemein. Zu dieser Zeit ging es mir noch blendend. Beim Radsport sagt man, ich habe gute Beine aber man muss sich seine Körner gut einteilen
Nachdem die Luftfeuchtigkeit in der Höhe stark anstieg und die Temperatur in den Keller fiel, entschied ich mich dazu, meine weißes Ole Mallorca Hut
aufzusetzen. Von da an lief alles cremig, denn “wenn ich mein Mütze drehe, ist es als würde ich eine Maschine starten” (Over The Top)
An der letzten Verpflegung vor dem “Scharfenstein Plattenweg”, nahm ich noch 2 halbe Bananen zu mir und trank 2 Becher warmen Tee. Den Plattenweg kannte ich bestens vom MTB Training. Wenn ich im Entwicklung- oder Spitzenbereich trainieren wollte, fuhr ich diese Strecke. Die maximal 23% sind die Härte und eine interessante Probe für Körper und Geist. Auf dem Weg nach oben überholte ich eine Menge Läufer, da ich nicht gegangen bin, sondern “versucht” habe zu laufen. Mir war aber bewusst, dass diese Läufer mich auf dem Weg nach unten wieder einholen würden…. Ich erreichte den Brocken nach 1:46 (ca. 20km) – es war sehr kalt und nass. Der Nebel war so stark, dass man fast nicht die eigene Hand vor Augen sehen konnte.
Jetzt ging es auf der Brockenstrasse bis zur Ilsenburger Kurve bergab. Wie schon erwähnt überholten mich hier viel Läufer. Mir war bewusst, dass ich bergab eine Schwäche hatte aber dass ich so langsam war, gab mir doch zu denken
An dieser Stelle traten zum ersten Mal am heutigen Tage die Schmerzen in meinen Oberschenkeln auf. Warum musste ich auch soviel Masse mit mir herum tragen?! Schuld sind die Hormone
Nach der Verpflegung an der Ilsenburger Kurve stellte ich mir zum ersten Mal die Frage, warum ich das hier mache!? Herr Frixe würde sagen, man tut das, um zu zeigen, dass man aus einem anderen Holz ist und keine Lusche….
Jedes Stehen bleiben und wieder los laufen tat jetzt weh. Ich dachte mir, dass ist normal beim Marathon und Schmerzen gehören zum Leben dazu…. Aber ehrlich gesagt war es eine Qual! Ich zählte die Kilometer 29,30,31,33 (?) und zu meinem entsetzen kam dann 32… Das fand ich weniger witzig! Es ist interessant, über welche Dinge man bei einer solchen Belastung nachdenkt. Teilweise kann man keinen klaren Gedanken fassen aber manchmal hat man richtig gute Ideen, im beruflichen Sinne, wie auch im privaten. Doch nach der 30 Kilometermarke laufe ich nur noch wie in Tronce – das Ziel fest im Kopf ein programmiert…
Auf den letzten 2 Kilometern waren dann auch die Zuschauer an der Strecke wieder zahlreicher. Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass ich eine realistische Chance hatte, unter 3:45 zu laufen. Zugleich mobilisierte ich alle verfügbaren Kraftreserven um dieses Ziel zu verwirklichen. Diese 2 Kilometer waren mit die härtesten des gesamten Tages, denn die Schmerzen in den Beinen und am rechten Fuß wurden immer stärker. Ich sprach mit meinen Beinen – Noch ein bisschen, es ist nicht mehr weit – und redete mir ein, dass ich keine Schmerzen fühle. Als ich dann das Startgebiet wieder erkannt hatte, überkam mich ein einzigartiges Glücksgefühl.
Ich habe das Ziel erreicht, ich habe mir bewiesen, dass ich auch einen so harten Marathon bewältigen kann. Diese Erkenntnis stellt einen wichtigen Punkt in meinem Leben dar. Des Weiteren denke ich, dass der Runners High ein großes Suchtpotenzial hat
Am Ziel ließ ich noch ein Foto von mir machen und freute mich!
Leider war es nicht so einfach seine Gutscheine einzulösen, denn man musste sich an sehr langen Menschenschlangen anstellen. Auch das lange warten zum Druck der Urkunde fand ich nicht sehr gut.
Auf dem Weg nach Hause war ich sehr glücklich aber merkte auch, dass mein Körper völlig leer war…. Zuhause angekommen duschte ich kurz, nahm ein bisschen Essen zu mir und legte mich ins Bett.
Der Tag danach:
Am nächsten Morgen fühlte ich mich nicht sehr gut. Beim Aufstehen aus dem Bett verspürte ich einen starken Schmerz in den Oberschenkeln. Leider werde ich die nächsten 2 Wochen praktisch zur Untätigkeit verdammt sein, denn so lange werde ich brauchen um mich zu erholen.
Fazit / Kritik:
Eine gelungene Laufveranstaltung. Negativ fand ich nur, dass es sehr lange Wartezeiten gab und die Veranstaltung meiner Meinung nach einen zu sehr kommerziellen Status hat. Nicht allein wegen der Startgebühr von 30€. Ich denke wenn man die ändern würde, wäre die Teilnehmerzahl sehr viel höher. Sollte man mal drüber nachdenken!
Mit diesem Ergebnis ist meine Saison abgeschlossen. Zum Glück nahm sie noch ein mehr oder weniger gutes Ende…. Nun freue ich mich schon auf neue Herausforderungen. Sicher ist, dass ich nächstes Jahr wieder komme mit mehr Erfahrung, professionellerem Training und mehr Selbstvertrauen….
Ich werde 2007 wiederkommen, erfahrener und besser trainiert sein und unter 3:15 laufen!

14. Oktober 2006 Filed under: